Jüdische Eheringe

von Judith Schomaker

In der christlichen Kirche erlangte der Ehering als Symbol der Treue und Beständigkeit spätestens um 850 seine sakrale Bedeutung. Die Symbolik beschreibt weder Anfang noch Ende und soll so die eheliche Beziehung des Paares und die Bindung vor Gott als äußeres Symbol der Ewigkeit bezeugen. Etwa seit dem 13. Jahrhundert ist der Ehering fester Bestandteil kirchlicher Trauungen – und das nicht nur im Christentum.

Auch im Judentum sind Hochzeits-, bzw. Eheringe bekannt. Allerdings haben sie hier eher eine rituelle Aussagekraft. Für gewöhnlich besteht die jüdische Hochzeit aus der Übergabe der Ketubba, einem Ehevertrag, der die Verpflichtungen des Ehemanns gegenüber seiner Ehefrau definiert, die dann feierlich untermalt wird. Braut und Bräutigam treffen hierzu unter der so genannten Chuppa, dem Traubaldachin, der in etwa mit dem christlichen Traualtar vergleichbar ist. Begleitet von den sieben Segenssprüchen übergibt er seiner Angebeteten den Ketubba, sowie einen goldenen Ehering.

Der jüdische Ehering dient dafür, die Gültigkeit des Ehevertrages zu besiegelt – nach dem Brautum ein Wertgegenstand, der vor drei Zeugen vom Besitz des Mannes in den der Frau übergehen muss. Der jüdische Ehering wird an den Zeigefinger der rechten Hand gesteckt, kann aber später an jedem beliebigen Finger getragen werden. Der Ring steht damit nicht als Symbol der Ehe, sondern ist die Ehe selbst. In der Regel tragen nur die jüdischen Frauen einen Ehering, was auf das alte, polygame Judentum zurückzuführen ist. Für den Ring gelten zudem bestimmte Voraussetzungen, so muss er im Inneren perfekt rund und glatt sein und darf weder Gravur noch Stein aufweisen. Ebenso muss er einen Mindestwert haben und natürlich aus dem Besitz des Mannes stammen. Das zertreten eines Glases, das an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem erinnert, bildet sodann den Abschluss der Zeremonie, erst jetzt beginnen die Feierlichkeiten.

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